Das
Märchen von der Duckmaus
Wie viele Prinzessinnen muss ich denn noch küssen
Damit aus irgendeiner mal ein Frosch wird?
Wie viele der Küsse muss ich denn noch büßen
Bevor mal eine Augenhöhe hat?
Wie viele Zauberspiegel zeigen `ne Prinzessin
Weil `ne Egomanin das so seh`n will?
Wie viele Prinzessinnen haben längst vergessen
Dass ein Prinz `nen eig`nen Willen hat?
Spieg`lein, Spieg`lein an der Wand
Wer bohrt die Dübel in die Wand?
Wer trägt die Wasserkästen rein?
Und putzt das Zauberspiegelein?
Spieg`lein, Spieg`lein an der Wand
Wer holt die Spinnen von der Wand?
Wer hat stets ein off`nes Ohr?
Wer täuscht hier den Orgasmus vor?
Ich bin nicht deine Duckmaus, ich bin auch nicht dein
Mond
Der sich um dich dreht, willenlos und unbewohnt
Ich bin nicht deine Duckmaus, dein Hündchen, lieb und
brav
Das mit etwas Glück mal mit dem Schwänzchen wedeln
darf
Wie viele arme Schweinchen wirst du noch zerfleischen
Weil in ihnen du den bösen Wolf siehst?
Wie viele tapf`re Schneiderlein wirst du noch erweichen
Weil du glaubst, dass du was bess´res bist?
Wie viele gold`ne Gänse wirst du vergeblich schlachten
Blind vor Hochmut siehst du nicht dein Glück
Wie viele edle Prinzen, die Komplimente machten
Wurden ausgenutzt und hab`n sich verpisst?
Spieg`lein, Spieg`lein an der Wand
Wer ist dir immer nachgerannt?
Wer gibt für dich sein Hobby auf?
Und nimmt die deinen gern in Kauf?
Spieg`lein, Spieg`lein an der Wand
Wer tapeziert dir deine Wand?
Wer mag deine Familie gern?
Wer raucht nicht, trinkt nicht, sieht nicht Fern?
Ich bin nicht deine Duckmaus, ich bin auch nicht dein
Mond
Der sich um dich dreht, willenlos und unbewohnt
Ich bin nicht deine Duckmaus, dein Hündchen, lieb und
brav
Das mit etwas Glück mal mit dem Schwänzchen wedeln
darf
(c) 2010 Manfred Hilberger, www.hilberger.de
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